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Bodenlegen – Parkett, Vinyl, Laminat & Co.

Last updated on 5. April 2022

Schwimmende Verlegung: Da ich mich hauptsächlich um Renovierungsarbeiten kümmere ist das schnelle Bodenlegen ohne verkleben meine erste Wahl beim Parkett. Was ist wichtig. Auf was ist zu achten. Tipps und Tricks vom Profi.

Der große Vergleich. Parkett vs. Vinyl vs. Laminat. Gerne möchte ich die verschiedenen Böden miteinander vergleichen. Nachfolgend sind in Tabellenform die Eigenschaften übersichtlich aufgeführt. Erläuterung: XXX: Sehr gut; XX: Mittel; X: Naja. Der Parkett hat sicher seine Stärken in der Sinneswahrnehmung. Haptik, Optik, Akustik sprechen mit der naturnähe für den Boden. Soll er robust und günstig sein, ist wahrscheinlich der Laminat Dein Favorit. Im Bereich Feuchtigkeit ist sicher der Vinyl vorne. Keiner der Konkurrenten hat diese Eigenschaften. Die Kosten für den m² liegen bei mittlerer bis höherer Qualität beim Parkett bei ca. 50-60€ pro Quadratmeter. Der Klickvinyl kostet um 30€ pro Quadratmeter. Und der Laminat liegt bei 15€.

Bodenvergleich zur Entscheidungsfindung

XXX: Sehr gut; XX: Mittel; X: NajaParkettVinylLaminat
OptikXXXXXX
HaptikXXXXXX
WärmeXXXXXX
Gefühl (wie „fasst“ der Boden sich an)XXXXXX
AktustikXXXXXXX
EmpfindlichkeitXXXXXX
NässeXXXXXX
Stöße / KratzerXXXX
FleckenXXXXXX
DruckstellenXXXXXXX
Hygiene (Allergikergeeignet)XXXXXXX
Bearbeitung beim VerlegenXXXXXX
Aufbauhöhe bei der RenovierungXXXXXXX
PflegeleichtXXXXXX
Ausbesserungen möglich? Renovierbar?XXXXXX
Ausdünstungen (EU-Vetrieb/mit Zertifikat)XXXXXXXXX
Für Fußbodenheizung geeignetXXXXXXXXX
Formänderung
bei hohen Temperaturen (z. B. Wintergarten)
XXXXXX
Nachhaltigkeit / Ökologie / RecyclingXXXXX
PreisXXXXXX

Bodenlegen – auf was ist zu achten (Vorbereitung und Planung)

Akklimatisierung des Bodens

Bitte dem Boden Zeit geben sich an Temperatur und Luftfeuchte zu gwöhnen. In div. Anleitungen steht man solle 48h vorher den Boden in die entsprechenden Räumlichkeiten lagern, damit sich der Boden akklimatisieren kann. Ich gehe noch einen Schritt weiter. Gern 72h und mehr! Jeder Boden wird sich bewegen. Ich hab mal von einem Kunden gehört: „Aber die MDF-Mittelschicht ist doch totes Holz!“. Das ist mit Sicherheit nicht der Fall. Jeder Boden um Parkett, Vinyl, Laminat & Co. wird quellen und schwinden. Je länger der Boden Zeit sich an das Raumklima zu gewöhnen, desto besser. Die Dielen werden ungeöffnet gelagert. Dies hat den Vorteil, dass sich die nicht „verziehen“. Bitte bei der Besorgung darauf achten, dass diese nicht in Garage, Carport & Co. zwischengelagert werden. Bitte zeitnah verarbeiten.

Tipp: Bitte an dieser Stelle bei der Lagerung des Bodens Punktbelastungen vermeiden. Schnell entstehen für die Statik Punktgewichte von >=500Kg/m².

Bodenlegen – Verlegerichtung

Grunsätzlich gibt es keine strikte Vorgabe beim Bodenlegen, es gibt weder richtig noch falsch. Bei der Verlegerichtung solltest Du auf die Faktoren achten, die das Ergebnis stark beeinflussen können. Am Ende ist es eine Prioritätenabwägung, was einem wichtig ist.

Proportion des Raumes / Raumgröße: Unförmige lange und schmale Flure oder Räume lassen sich wunderbar mit einer Querlegung erweitern. Optisch werden sie dann breiter. Umgekehrt funktioniert das beim Bodenlegen genauso.

Licht: Die Schulmeinung geht ganz klar von Hauptlichtquelle (Fenster->Lichteinfall) aus und wählt die Verlegerichtung der Bodendielen in diese Richtung, also parallel zur Lichtquelle. Das ist der erste Ansatz. Fugen werden hier weniger betont. Jedoch kann man bei einem gebürsteten oder sandgestrahlten Parkett mit Profil, den Charakter weiter verstärken. Hier bietet sich die Verlegerichtung quer zum einfallenden Licht an. Schon mal den Vollmond genauer betrachtet? Konturlos, platt, dumpf. Halbmond: Kontrastreich, Schattenbildung, dreidimensional.

Tipp: Gerne mal 5-6 Dielen zusammen im Block einklicken. 2 Blöcke erstellen. Einen zur Lichtquelle legen. Den anderen gegen die Lichtquelle. Du wirst den Unterschied sofort sehen.

Untergrund des neuen Boden: trocken, sauber, fest und eben

Trocken: Sollte neuer Estrich installiert worden sein, ist im jedem Fall der Feuchtegehalt zu bestimmen (CM-Messgerät). Beauftragen Sie hierzu eine Fachfirma, z B. den Estrichbauer. Ein Aufheizprotokoll und Feuchtemessung müssen vor Beginn des Bodenlegens vorhanden sein.

Eben: Kontrollieren Sie immer mit beispielsweise einer senkrechten Diele oder mit dem Richtscheit.
Unebenheiten + 2 mm auf einer Länge von 2m müssen immer ausgeglichen werden. Gerade bei der Altbaurenovierung wird es relevant auszugleichen. Der alte 60 Jahre alte Dielenboden soll als Untergrund bleiben. Allerdings zeigen sich Schwierigkeiten in der Nivellierung. Hierzu eignet sich Pappe (Graukarton, keine Wellpappe!) hervorragend. Mit Milimeter-Pappe lässt sich sogar Schichtstapeln. Bitte auf die Fixierung per Alu-Klebeband achten.

Fest: Altbestände vor allem um alte Teppichböden sind restlos zu entfernen.

Sauber: Am besten den Boden absaugen.

Übergangsprofile setzen

Bis zum 10 Meter kann man den Boden schwimmend verlegen. Alles darüber, auch wenn der Raum größer ist, muss mit Übergangsprofilen verbaut werden. Diese Übergangsprofile sollten bestmöglichst im Bereich des Türblattes sitzen. So sind diese bei geschlossenen Türen möglichst dezent in der Optik.

Trittschalldämmung – ein Buch mit sieben Siegeln

Den Hype um die Trittschalldämmung kann ich nur bedingt nachvollziehen. Ist es einem wichtig jegliches DB einzusparen bzw. die angenehme Akustik zu fördern, kann man doch gleich auf die Verklebung seines Bodens setzen, oder? Das immerwährende Beispiel um Stöckelschuhe kann ich ebenso nicht begreifen. Wird regelmäßig mit High Heels getanzt? Ist der Boden für das Tanzstudio gedacht oder fürs Wohnzimmer? Aus meiner Sicht muss die Trittschalldämmung zwei Dinge erfüllen. A) kleine Unebenheiten im Untergrund ausgleichen und B) Kostengünstig sein, damit man das Kapital in den Boden oder andere Renovierungsprojekte stecken kann. Bis zu 15,-€ kann man bei der Dämmung lassen.

Es kommen PE Schaum, EPS, PO, XPS, Kork, Kautschuk oder sogar Kombinationen wie PU/ Mineral oder PO/ Mineral zum Einsatz. I.d.R. werden die Stoßkanten mit Alubändern verklebt.

Dampfsperre notwendig?

Vor allem im Erdgeschoss und Kellerbereich relevant, kann es sein, dass eine zusätzliche Dampfsperre von nöten ist. Diese Schicht wird unter der Trittschalldämmung verlegt. Sie soll Bodenfeuchte über Kondens- und Schwitzwasser vom Boden fern halten. Es gibt auch kombinierte Lösungen mit Schälldämmung und Isolation. Indikatoren für den Einsatz sollten beachtet werden: Gab es früher Probleme? Wie lange steht der Bau schon? Schimmelbildung? Mauerwerksabdichtung vorhanden?

Dehnungsfugen an Wänden und festen Bauteilen

Beginne an der rechten Seite. Wir benötigen die erste Reihe ohne Feder. D.h. Längsseiten und die rechte Stirnseite entsprechend bearbeiten und Span abnehmen. Ich nehme für längs gern einen Akkuhobel. Stichsäge funktioniert auch. Ideal ist eine kleine mobile Tischsäge. Halte bitte den umlaufenden Dehnungsfugenabstand von 10 Milimeter vor allem zu Wänden ein. An Türfuttern kann man hier geringfügig abweichen und auf 6mm runter gehen. Hier eignen sich Holzklötzchen, fertige Kunstoffdistanzplättchen oder was ich gerne nehme Gummipads. Die sind ein wenig elastisch für besseren Halt. Sitzt die erste Reihe nimmt man i.d.R. den letzten Abschnitt (Verschnitt) für das erste Teil der 2. Reihe. Sollte sich, bedingt durch die Raumgröße, nicht mind 15cm Überlappung einstellen, muss eine Diele wie gewünscht gekürzt werden. Das handelsübliche Klick-System arbeitet je nach Boden besser oder schlechter.

Heizungsrohre & Co. ausklinken / aussparen

Vor allem rund um den Heizkörper wartet Abwechslung auf den Bodenleger. Heizzu- und Rücklauf aber auch Standfüße wollen passend ausgeschnitten werden. Hier leisten Forstnerbohrer und Lochsäge super Dienste. Manschetten und Abdeckungen sind ideal um einerseits zu verstecken aber andererseits auch um die Bewegung des Bodens nicht zu beeinflussen.

Bitte nicht mit Hammer auf Konterprofil

Der empfindliche Aufbau der Böden, vor allem Parkett und Laminat, sind ausschließlich der Druckbelastung auf der Fläche gewachsen. Der Boden kann nur Normalbetrieb. Was er nicht kann und nicht mag, ist mit dem Hammer immer schön auf die Weichteile klopfen. Nut- und Federsystem können schaden nehmen. Bitte nicht machen.

Tipp: Bitte einen ca. 20cm großen Verschnitt nehmen und diesen zum Klopfen benutzen. Bitte darauf achten, dass das Konterprofil vollständig rastet und sich der Formschluss eingestellt hat. Bitte kein Fäustl nehmen. Es funktioniert i. d. R. wunderbar mit dem kleinsten Hammer, den Du finden wirst.

Sockelleisten montieren – auf die Gehrung kommt es an

Wenn ich die Arbeit eines Kollegen oder meinerselbst beurteilen müsste, würde ich mir immer die Sockelleisten anschauen – gerade im Altbau zeigt sich der Profi. Wie schauen die Gehrungen aus? Neulich in einem Bad war die Sockelleiste 2cm zu kurz. Dreimal hat er bestimmt geschnitten und sie war immer noch zu kurz, sagen wir in Franken. 😉 Für mich hat die Gehrung immer Priorität Nr. 1. Mir ist es sch…egal ob die Leiste 6mm von der Wand wegläuft, zur Not mach ich die Leiste schmäler oder bearbeite als Feinmechaniker den Putz der Wand. Hauptsache die Gehrung passt. Nichts ist schlimmer als eine klaffende Gehrung. Acryl zur Wand hilft immer. Silkon hat im Bereich der Sockelleisten nichts zu suchen. Sollten Sie Hilfe bei der Bodenlegung oder bei den Sockelleisten benötigen – kontaktieren Sie mich. Haus. Garten.Holz.

Tipp: Ich rate dringend vom Kauf von laminierten MDF- oder Holzkernleisten ab. Ist ein Staubsaugerroboter im Einsatz ist es in einem halben Jahr vorbei mit der Optik. Die Gehrungen sind kaputt. Stattdessen würde ich auf ein Profil gehen, dass entweder aus Massiv-Holz ist oder aus Kunststoff, welche nach oben angefast oder abgerundet sind. Dies hat zur Folge, dass sich weniger Staub ansammeln kann.

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